KursinhaltModul 1 · Lektion 1
Modul 1 · Lektion 1
Auftrag statt Frage: was ein Agent anders macht
Du lernst, warum ein Agent Aufgaben erledigt statt Fragen zu beantworten und was das für deine Formulierung ändert.
MODUL 1 / AUFTRAG STATT FRAGE
Chat antwortet, Agent erledigt
Du kennst das Chatfenster. Du tippst eine Frage, bekommst einen Text, kopierst dir heraus, was brauchbar ist, und der Rest verschwindet. Das ist ein Gespräch. Es endet mit einer Antwort in einem Fenster, und die Arbeit liegt danach immer noch bei dir.
Ein Agent arbeitet anders. Ein Agent ist ein KI-Werkzeug, das eine Aufgabe von Anfang bis Ende erledigt, statt nur auf eine Frage zu antworten. Er darf mehrere Schritte hintereinander machen, er darf zwischendurch nachsehen, und er legt am Ende ein Ergebnis ab. Der Unterschied ist nicht die Intelligenz. Der Unterschied ist die Form dessen, was du hineingibst.
Stell dir zwei Zettel auf deinem Schreibtisch vor. Auf dem einen steht "Wie schreibt man eine gute Absage?". Auf dem anderen steht "Schreib eine Absage an diesen Anfragenden, freundlich, drei Sätze, leg sie mir als Entwurf in meinen Ordner". Der erste Zettel führt zu einem Gespräch. Der zweite führt zu einem Ergebnis, das du in der Hand hältst.
Die vier Teile eines Auftrags
Jeder brauchbare Auftrag hat vier Teile, und ich nenne sie dir jetzt einmal, weil sie den ganzen Kurs tragen. Du wirst sie in jeder Lektion wiedersehen.
Briefing. Du sagst, was herauskommen soll, für wen, und in welcher Form. Nicht wie es gemacht wird, sondern was am Ende dasteht.
Delegation. Du gibst die Aufgabe wirklich ab, mit dem Material, das dafür nötig ist. Nicht mit allem, was du hast, sondern mit dem, was der Agent sehen muss.
Prüfung. Du siehst dir das Ergebnis an, bevor du es benutzt. Immer. Auch wenn es gut aussieht. Besonders dann.
Ablage. Das Ergebnis bekommt einen Ort und einen Namen. Sonst hast du in zwei Wochen zwar gearbeitet, findest aber nichts wieder.
Vier Teile, in dieser Reihenfolge. Wenn dir ein Auftrag misslingt, fehlt fast immer einer davon.
Merksatz
Ein Auftrag ohne Fertig-Kriterium ist wie eine Einkaufsliste ohne Mengenangabe. Du bekommst etwas zurück, aber nicht das, womit du weiterarbeiten kannst.
Woran du merkst, dass dein Auftrag zu vage ist
Es gibt drei Anzeichen, und alle drei siehst du sofort, wenn du einmal darauf achtest.
Das erste: Du bekommst eine Liste von Möglichkeiten statt eines Ergebnisses. Wenn die Antwort mit "Du könntest zum Beispiel" anfängt, hast du eine Frage gestellt, keinen Auftrag gegeben.
Das zweite: Du weißt nicht, wo das Ergebnis liegt. Es steht im Fenster und nirgends sonst. Dann fehlt die Ablage.
Das dritte: Du kannst nicht sagen, ob es fertig ist. Wenn du dich beim Lesen fragst "reicht das jetzt?", dann hast du kein Fertig-Kriterium mitgegeben, und der Agent konnte auch keines erfinden.
Ein häufiger Irrtum am Anfang: mehr Text hilft. Tut er nicht. Ein langer Auftrag mit vielen Wünschen und ohne klares Ergebnis ist schlechter als drei präzise Zeilen. Länge ist kein Ersatz für Klarheit.
Drei Aufträge aus dem Alltag, nebeneinandergelegt
Damit das nicht abstrakt bleibt, drei Beispiele, wie sie bei dir vorkommen könnten.
Aus "Was steht in diesem Vertrag?" wird: "Fasse diesen Vertrag auf einer halben Seite zusammen, für mich als Auftragnehmerin, mit den drei Punkten Laufzeit, Kündigung und Haftung. Leg die Zusammenfassung neben die Originaldatei."
Aus "Kannst du mir bei den Angebotstexten helfen?" wird: "Schreib aus diesen Stichpunkten einen Angebotstext für einen Kunden aus dem Handwerk, sachlich, ohne Werbesprache, höchstens 200 Wörter, als Entwurf zum Überarbeiten."
Aus "Wie räume ich meine Ordner auf?" wird: "Sieh dir diesen Ordner an und schlag mir eine Struktur vor. Verschiebe noch nichts."
Du siehst das Muster. Ergebnis, Empfänger, Form, Ort, und ein Punkt, an dem Schluss ist.
Ich möchte aus einer Frage einen richtigen Arbeitsauftrag machen.
Hier ist meine Frage:
[deine Frage hier einsetzen]
Stell mir diese vier Fragen einzeln und warte jeweils auf meine Antwort:
1. Welches Ergebnis soll am Ende dastehen, in einem Satz?
2. Für wen ist das Ergebnis, und in welcher Form braucht es diese Person?
3. Wo soll das Ergebnis liegen, wenn es fertig ist?
4. Woran erkenne ich, dass es fertig ist?
Schreib mir zum Schluss meinen Auftrag als kurzen, klaren Text auf,
den ich beim nächsten Mal wieder verwenden kann.
Die ehrliche Einordnung
Dieser Kurs zeigt dir keine Klickpfade. Er nennt Claude Desktop, ChatGPT und Copilot nur als Beispiele dafür, dass es solche Oberflächen gibt, und beschreibt sonst nur die Arbeitsweise. Der Grund ist schlicht: Oberflächen ändern sich, Menüpunkte wandern, Funktionen bekommen neue Namen. Eine Anleitung, die auf Knöpfen aufbaut, ist nach kurzer Zeit falsch, ohne dass du es merkst. Die vier Teile eines Auftrags gelten dagegen auch beim nächsten Werkzeug.
Und es gilt eine Grenze: Ein Agent nimmt dir die Ausführung ab, nicht die Verantwortung. Was du weitergibst, hast du geprüft. Diese eine Regel wird sich durch alle zwölf Lektionen ziehen, und in der dritten Lektion wird sie besonders ernst.
In der nächsten Lektion geht es um das Material: was sich ändert, wenn ein Agent nicht mehr nur hineinkopierten Text sieht, sondern echte Dateien in einem echten Ordner.
Wissenscheck