KursinhaltModul 1 · Lektion 1
Modul 1 · Lektion 1
Was ein Subagent wirklich ist
Du lernst, was einen Subagenten von deinem normalen Chat unterscheidet, und verstehst, warum sein frisches Kontextfenster dir Token spart.
MODUL 1 / SUBAGENTS
Worüber wir hier reden
Ein Subagent ist im Kern ein zweiter Claude, den dein Hauptchat für eine einzelne Aufgabe losschickt und der danach wieder verschwindet. Das klingt nach einem technischen Detail, ist aber die Grundlage von allem, was in diesem Kurs folgt. Sobald eine Aufgabe wächst und dein Hauptchat sich zu füllen beginnt, ist der Subagent dein erstes Werkzeug dagegen. Bevor du in der nächsten Lektion selbst einen anlegst, schauen wir uns genau an, was in seinem Kopf passiert, wenn er loslegt, und was ihn von einem einfachen Nachfragen in deinem eigenen Chat unterscheidet.
Ein frisches Fenster, kein Blick in dein Gespräch
Jedes KI-Modell arbeitet mit einem Kontextfenster, also der begrenzten Menge Text, die es in einem Moment im Blick behalten kann. Dein Hauptchat sammelt darin mit der Zeit alles: deine Fragen, die Antworten, jede Datei, die gelesen wurde. Je länger die Session läuft, desto voller wird dieses Fenster.
Ein Subagent bekommt dagegen ein komplett leeres Kontextfenster. Er sieht deinen bisherigen Chatverlauf nicht, er sieht keine der Dateien, die dein Hauptchat vorher gelesen hat, und er kennt auch dessen Systemanweisungen nicht. Die einzige Verbindung zwischen deinem Hauptchat und ihm ist ein einziger Text: der Prompt, den er beim Start mitbekommt. Stell dir das wie einen Kollegen vor, den du mit einem Zettel in ein Archiv schickst. Er bekommt genau das, was auf dem Zettel steht, aber er hört nicht mit, worüber ihr im Büro vorher gesprochen habt.
Ganz ohne Wissen über dein Projekt steht er trotzdem nicht da: Genau wie dein Hauptchat lädt auch er beim Start automatisch die CLAUDE.md deines Projekts, also die Datei mit deinen projektspezifischen Anweisungen. Das hat aber nichts mit einer Verbindung zu deinem bisherigen Gespräch zu tun, sondern läuft unabhängig davon. Was fehlt, bleibt der Gesprächsverlauf selbst.
Was zurückkommt: die Zusammenfassung, nicht der Weg dahin
Genau dieses leere Fenster ist der Grund, warum Subagenten dir Token sparen, also die kleinen Texteinheiten, die ein KI-Modell verarbeitet und die am Ende die Rechnung bestimmen. Lässt du einen Subagenten zehn Dateien lesen, um eine Frage zu beantworten, sieht dein Hauptchat nicht jede einzelne dieser zehn Leseoperationen. Er sieht nur das Ergebnis: die fertige Zusammenfassung, die der Subagent am Ende zurückgibt. Zehn Leseoperationen im Subagenten werden zu einer einzigen Zusammenfassung in deinem Hauptkontext.
Bleiben wir beim Archiv-Bild. Dein Kollege blättert dort zehn Aktenordner durch, aber er bringt dir keine Kopie jedes Ordners mit. Er bringt dir eine Seite Zusammenfassung. Dein eigener Schreibtisch, also dein Hauptkontext, bleibt frei von den zehn Ordnern und trägt nur die eine Seite.
Der Unterschied zur normalen Session
Der Unterschied zu deinem gewohnten Chat ist damit klar umrissen. In deinem Hauptchat baust du dir über die Zeit ein gemeinsames Gedächtnis auf: Alles, was du fragst und was zurückkommt, bleibt im selben Fenster liegen und beeinflusst, wie das Modell die nächste Antwort formuliert. Ein Subagent kennt dieses Gedächtnis nicht. Er lebt nur innerhalb der aktuellen Session, erledigt seinen einen Auftrag und ist danach fertig. Rufst du direkt danach denselben Subagenten-Typ noch einmal auf, startet er wieder komplett frisch, ohne sich an seinen eigenen letzten Einsatz zu erinnern.
Hinweis: Was als Nächstes kommt
In der nächsten Lektion legst du deinen ersten eigenen Subagenten als Datei an und siehst genau, wie du ihm seinen Auftrag und seine Rechte mitgibst.
Lohnt sich ein Subagent für deine Aufgabe?
Nicht jede Aufgabe braucht einen Subagenten. Bevor du in der nächsten Lektion einen baust, prüfst du ehrlich, ob deine aktuelle Aufgabe überhaupt davon profitiert.
Ich prüfe, ob sich für eine Teilaufgabe ein Subagent lohnt.
Stell mir diese vier Fragen einzeln und fasse am Ende zusammen:
1. Lässt sich die Teilaufgabe klar von meiner Hauptaufgabe trennen?
2. Bräuchte ich für diese Teilaufgabe viel Lesearbeit, deren Details
mich in meinem Hauptchat gar nicht interessieren, nur das Ergebnis?
3. Reicht dem Subagenten ein einziger, klar geschriebener Auftrag,
ohne dass ich ständig nachsteuern muss?
4. Ist das Ergebnis wertvoll genug, um eine eigene Datei und einen
eigenen Aufruf zu rechtfertigen?
Bei drei oder mehr Ja: ein Subagent lohnt sich wahrscheinlich.
Bei weniger: mach es direkt in deinem Hauptchat.
Die ehrliche Einordnung
Ein Subagent ist kein Ersatz für dich, sondern ein zweites, sauberes Kontextfenster für ein abgrenzbares Stück Arbeit. Für eine kurze Rückfrage oder etwas, das ohnehin in deinem Hauptchat mitläuft, lohnt sich der Umweg über eine eigene Datei und einen eigenen Aufruf nicht. Für eine Aufgabe, die viel Lesearbeit braucht, deren Details dich gar nicht interessieren, ist er dagegen genau das richtige Werkzeug. In der nächsten Lektion baust du deinen ersten eigenen Subagenten und siehst dabei auch die Stolperfalle, die fast jeder beim ersten Mal übersieht: was passiert, wenn du ihm gar keine Rechte gibst, statt zu wenige.
Wissenscheck