KursinhaltModul 1 · Lektion 1
Modul 1 · Lektion 1
Deine Werkbank: warum lokal, warum jetzt
Du klärst, warum eine KI, die direkt in deinem eigenen Ordner arbeitet, mehr kann als ein Chat im Browser.
MODUL 1 / WARUM LOKAL
Du hast wahrscheinlich schon mit einer KI im Browser gearbeitet. Du tippst etwas in ein Eingabefeld, die KI antwortet, und alles passiert auf einer fremden Seite, in einem fremden Tab. Das funktioniert, und für vieles reicht es. Aber es gibt eine andere Art zu arbeiten, und um die geht es hier: eine KI, die nicht in einem fremden Browser-Tab sitzt, sondern in deinem eigenen Ordner, auf deinem eigenen Rechner, an deinen echten Dateien.
Das ist deine Werkbank. Und dieser Kurs bringt dich von einem leeren Rechner zu genau dieser Werkbank, Schritt für Schritt, auf Deutsch, in der richtigen Reihenfolge.
Was eine Agentic-Werkbank ist
Stell dir den Unterschied so vor. Im Browser zeigst du der KI etwas und kopierst ihre Antwort heraus. Auf deiner Werkbank arbeitet die KI direkt in deinem Projekt-Ordner. Sie liest deine Dateien, ändert sie, legt neue an, und du siehst das Ergebnis sofort dort, wo es hingehört. Kein Kopieren hin und her, kein fremder Tab dazwischen. Ein KI-Agent, der an echten Dateien arbeitet, nennt man darum auch Agentic: er handelt in deinem Ordner, statt nur zu antworten.
Das klingt nach mehr, und das ist es auch. Es bedeutet aber nicht, dass du Programmieren lernen musst. Du redest mit dem Agenten in normaler Sprache. Was du brauchst, ist eine eingerichtete Umgebung, in der er laufen kann. Genau die baust du hier auf.
Warum lokal sich lohnt
Vier Gründe, warum die eigene Maschine den Aufwand wert ist. Keiner davon ist Pflicht, aber zusammen ergeben sie das Bild.
Kontrolle. Auf deiner Werkbank entscheidest du, welches Werkzeug läuft, welche Version, und was es darf. Du bist nicht an die Grenzen eines fremden Anbieters gebunden, der morgen etwas umstellt.
Privacy und DSGVO. Deine Dateien bleiben bei dir, solange du nicht selbst etwas weggibst. Für alles, was vertraulich ist (eigene Texte, Kundendaten, Entwürfe), ist das ein echter Unterschied zum Hochladen in einen fremden Dienst.
Kosten. Lokal arbeiten heißt, du behältst im Blick, was du nutzt und was es kostet. Du zahlst für das Werkzeug, nicht für eine undurchsichtige Plattform obendrauf. Was genau ein KI-Werkzeug kostet, klären wir ehrlich später im Kurs, nicht jetzt nebenbei.
Offline. Vieles läuft auch ohne ständige Verbindung. Deine Werkbank gehört dir, nicht einem Server, der gerade nicht erreichbar ist.
Die eine Haltung für den ganzen Kurs
Es gibt einen Satz, der diesen ganzen Kurs trägt, und ich möchte ihn dir gleich am Anfang geben, weil alles andere daran hängt:
Du verstehst, was du tippst. Du kopierst nicht blind.
Merksatz
Ein Befehl ohne Verständnis ist wie ein Autoschlüssel ohne Führerschein: Er steckt, er dreht sich, aber du weißt nicht, wohin es dich trägt.
Das ist keine Strenge um der Strenge willen. Wenn du einen Befehl ausführst, ohne zu wissen, was er tut, dann bist du dem Befehl ausgeliefert, sobald etwas anders läuft als erwartet. Und etwas läuft beim Einrichten immer mal anders. Wenn du aber das mentale Modell dahinter kennst, dann ist eine Fehlermeldung keine Sackgasse, sondern einfach die nächste Frage. Ein Fehler ist hier nichts Schlimmes. Er ist der nächste Schritt.
Darum erklärt dir dieser Kurs immer zuerst das Konzept, und erst dann kommt das Tun. Du sollst nicht nachklicken, du sollst verstehen.
Dein Begleiter beim Lesen, und warum die Befehle nicht hier stehen
Durch die konkreten Einrichtungs-Schritte führt dich ein Begleiter: eine KI, die dir den jeweils aktuellen Befehl für dein System nennt und ihn erklärt, bevor du ihn tippst. In den Lektionen steht darum oft "der BuilderBob führt dich". Gemeint ist dein Begleiter, und davon gibt es zwei Varianten. Den vollen BuilderBob (er interviewt dich zu deinem Vorhaben und liefert dir Befehle Schritt für Schritt) gibt es als Teil des AI Builder-Guides. Dieser Gratis-Kurs setzt ihn nicht voraus. Für alle, die ohne Guide starten, steht gleich unten ein kostenloser Mini-Begleiter zum Kopieren.
Die Befehle stehen in den Lektionstexten kaum, und das ist Absicht. Setup-Werkzeuge ändern sich ständig. Ein Install-Befehl, der heute stimmt, kann in zwei Monaten veraltet sein. Würde ich ihn hier einfrieren, würdest du irgendwann einen Befehl kopieren, der nicht mehr funktioniert, und schlimmer: du würdest dich darauf verlassen. Eine veraltete Gewissheit ist schlimmer als ein ehrliches "das kann sich geändert haben". Darum geben dir die Lektionen das, was bleibt (das mentale Modell, die Stolperfallen-Landkarte), und den konkreten, aktuellen Befehl holt sich dein Begleiter live, wenn es so weit ist. Nur die wenigen Grundbefehle, die sich nicht ändern, stehen gleich in Lektion 2 im Text.
Der kostenlose Mini-Begleiter
Kopier den Prompt, öffne ein neues Gespräch in claude.ai (oder in Claude Code, falls du es schon hast), füge ihn als erste Nachricht ein und schick ihn ab. Danach lässt du ihn offen neben der Lektion.
Du bist mein Terminal-Begleiter. Ich lerne gerade, mit dem Terminal zu arbeiten, und habe wenig Vorwissen.
Regeln für dich:
1. Frag mich zuerst, welches System ich nutze: macOS, Linux oder Windows mit WSL. Rate nicht.
2. Wenn ich einen Befehl brauche, gib mir genau einen Befehl für mein System, keine Liste von Alternativen.
3. Erklär den Befehl in zwei, drei einfachen Sätzen, bevor ich ihn tippe: was er tut und ob er nur etwas anzeigt oder etwas verändert.
4. Bevor ein Schritt Dateien löscht, überschreibt oder mit Administrator-Rechten (sudo) läuft, halte an und frag mich, ob ich das wirklich will. Lieber eine Rückfrage zu viel.
5. Wenn ich dir eine Fehlermeldung schicke, lies sie vollständig, sag in einem Satz, was sie bedeutet, und schlag den nächsten kleinen Schritt vor.
6. Wenn du nicht sicher bist, ob ein Befehl auf meinem System noch aktuell ist, sag das offen, statt ihn zu erfinden.
Schreib auf Deutsch, per du, ruhig und ohne Fachjargon. Fang jetzt an und frag mich nach meinem System.
Dieser Mini-Begleiter ist ausdrücklich kleiner als BuilderBob. Er interviewt dich nicht zu einem Bauvorhaben, er kennt deinen Fortschritt nicht und er führt dich nicht durch eine ganze App. Er erklärt Terminal-Befehle und fragt nach, bevor etwas Riskantes passiert, und mehr braucht diese Werkbank von ihm nicht. Wenn du später mit ihm gemeinsam deine erste echte App bauen willst, ist der Guide der Weg dorthin.
Die Haltung bleibt dieselbe wie oben: Auch wenn dein Begleiter dir einen Befehl nennt, tippst du ihn erst, wenn du verstehst, was er tut.
Welches Betriebssystem hast du?
Ab hier steuert eine einzige Frage fast jeden weiteren Schritt: Auf welchem System arbeitest du?
- macOS (ein Mac von Apple).
- Windows (die meisten PCs und Laptops). Für Windows gehen wir in diesem Kurs den Weg über WSL, das Windows-Subsystem für Linux. Das ist eine Linux-Umgebung mitten in deinem Windows, und sie bringt dich näher an das Zielbild Terminal als der Windows-eigene Weg. Keine Sorge, dein Begleiter richtet das mit dir ein, wenn es so weit ist.
- Linux (falls du es nutzt, weißt du es).
Merk dir dein System. Wann immer ab jetzt eine Anleitung nach dem Betriebssystem fragt, weißt du die Antwort.
Wenn du Windows hast: was WSL ist, in Ruhe erklärt
Falls du auf Windows arbeitest, taucht hier ein Wort auf, das du wahrscheinlich noch nie gehört hast: WSL. Lass mich das gleich entspannt einordnen, denn es klingt technischer, als es sich anfühlt.
WSL steht für Windows-Subsystem für Linux. Stell es dir vor als ein sauberes Linux mitten in deinem Windows. Dein Windows bleibt komplett dein Windows, mit allem, was du kennst. Daneben bekommst du eine kleine, ordentliche Linux-Umgebung, in der die Werkzeuge dieses Kurses zu Hause sind. Du wechselst nicht das Betriebssystem, du bekommst einen zweiten, aufgeräumten Arbeitsplatz dazu.
Warum macht man das als Windows-Nutzerin überhaupt? Weil fast alle Werkzeuge für die Arbeit mit KI-Agenten ursprünglich auf Linux und Mac zu Hause sind. Über WSL erreichst du als Windows-Nutzerin genau dasselbe Terminal-Zielbild wie jemand auf einem Mac oder auf Linux. Statt dass dieser Kurs für Windows ständig einen Sonderweg erklären müsste, gehen am Ende alle denselben Weg. Das macht es für dich einfacher, nicht komplizierter.
Und das Wichtigste, damit du dir keine Sorgen machst: WSL richtest du genau einmal ein, ganz am Anfang, und danach ist es einfach da. Es ist ein einmaliger Schritt, kein ständiges Hantieren. Dein Begleiter führt dich durch diese eine Einrichtung, Schritt für Schritt. Sie kann einen Moment dauern, weil im Hintergrund etwas geladen wird, und das ist völlig normal. Wenn dein Rechner dabei kurz nachdenkt, ist nichts kaputt. Es richtet sich gerade ein.
Bis hierher und durch die nächste Lektion brauchst du nichts anzumelden und nichts zu installieren. Du schaust dir erst an, wie das Terminal funktioniert. Ab Lektion 3 geht es dann ans Einrichten, und dafür legst du dir einen Gratis-Account an: ab Lektion 3 mit Gratis-Account weiter, der Fortschritt wird dann mitgeführt.
Probe
Du bist durch, wenn du beides kannst:
- Du hast dein Betriebssystem benannt: macOS, Windows oder Linux.
- Du kannst in zwei Sätzen sagen, warum du lokal arbeiten willst (zum Beispiel: weil du Kontrolle über deine Dateien behalten und die Kosten im Blick haben willst).
Wenn dir das von der Hand geht, hast du die Orientierung, die der Rest des Kurses voraussetzt. In Lektion 2 öffnest du zum ersten Mal das Terminal, ganz ohne Angst, und legst deinen ersten eigenen Projektordner an. Lektion 1 und 2 sind komplett offen. Wenn du danach weitermachst, legst du dir einen kostenlosen Account an, und ab da führt dich die Strecke mit gespeichertem Fortschritt weiter.
Wissenscheck